Zusammenfassung

Im Vortrag wird das KOMA-Script-Paket – eine Sammlung von Erweiterungen und neuen Befehlen für LATEX – vorgestellt. Zunächst wird die Entstehung des Paketes erläutert und kurz die Versionsgeschichte zusammengefasst, anschließend die Erweiterungen der ursprünglichen LATEX-Befehle erklärt und schließlich auf die neuen Befehle, die das KOMA-Script-Paket enthält, eingegangen.

Nachtrag

Am 30. August 2002 erhielt ich eine E-Mail von Markus Kohm, dem Autor des KOMA-Script-Paketes, der sich sehr überrascht zeigte, dass sein Paket “Gegenstand des wissenschaftlichen Interesses” geworden ist. Nachdem ich seine Anregungen und Kritik verarbeitetet habe, kann ich meiner Ausarbeitung also guten Gewissens das Prädikat “Markus Kohm approved” geben.

1 Einleitung

a. Entstehung

Im Jahre 1992 wollte Frank Neukam ein Vorlesungsscript unter LATEX (damals in der Version 2.09) setzen. Da er mit den Typografie-Voreinstellungen, die sich an den amerikanischen Standards orientierten, unzufrieden war, entwickelte er unter dem Namen “Script 1.0″ eine Reihe von Dokumentklassen, die er an die europäischen Typografie- und Papiernormen anpasste. Grundlage für diese Anpassungen war neben verschiedener Literatur über Satz und Typografie auch der deutsche Duden, dessen verbindliche Regeln über Nummerierung, Briefformate etc. verwirklicht wurden.

Im Laufe der nächsten Jahre wurde das Script-Paket immer populärer und nach Erscheinen von LATEX 2ε übernahm Markus Kohm die Verantwortung über das Script-Paket, um das aufkommende Versionschaos zu vermeiden. Seit 1994 sind die inzwischen zahlreichen Anpassungen, Erweiterungen und Überarbeitungen unter dem Namen “KOMA-Script” erhältlich. Seitdem sind inzwischen über acht Jahre vergangen, und aus der ursprünglichen Sammlung von Befehlen ist im Laufe der Zeit eine Erweiterung von LATEX geworden, die zu jeder Standardinstallation der TEX-Distributionen gehört.

b. Benutzung des KOMA-Scriptes

Die einzelnen Befehle und Erweiterungen sind in Dokumentklassen zusammengefasst. Um in den Genuss der Vorteile des KOMA-Scriptes zu gelangen, genügt es, lediglich die Dokumentklasse der ursprünglichen TEX-Datei durch eine entsprechende KOMA-Script-Version auszutauschen.

Für die vier Grundklassen book, report, article und book ergeben sich folgende Zuordnung:

 

Standard-LATEX   KOMA-Script

book   scrbook
report   scrreprt
article   scrartcl
letter   scrlettr

c. Abwärtskompatibilität

Außer der angesprochenen Auswahl der entsprechenden Dokumentklasse ist keine weitere Anpassung an der ursprünglichen TEX-Datei notwendig. Sämtliche Standard-LATEX-Befehle funktionieren (wenn auch mit eventuell anderer Erscheinung) auch im KOMA-Script-Paket.

2 Änderungen

Nachdem eine KOMA-Script-Dokumentklasse ausgewählt wurde, erhält das Dokument ein neues Layout, das gegenüber Standard-LATEX zahlreiche Unterschiede aufweist.

a. Schriftarten

Die Standardschriftgröße wurde auf 11 pt erhöht. Selbstverständlich bleibt die Möglichkeit, in der Präambel eine andere Schriftgröße einzustellen, erhalten.

Außerdem enthält das KOMA-Script-Paket eine neue Schriftart, nämlich Sans Serif Bold Extended. Diese Schrift wird stets dort benutzt, wo vorher Extended Boldface verwendet wurde, nämlich bei Überschriften, dem Inhaltsverzeichnis oder dem Titel.

Um Text innerhalb eines Dokumentes mit Sans Serif Bold Extended hervorzuheben, steht analog zu den anderen Schriftumschaltungen (\tt, \bf, \sl etc.) der Schalter \sfb zur Verfügung. Um einzelne Textstellen mit Sans Serif Bold Extended hervorzuheben, existiert folgende Syntax:

 

\sfb{hervorzuhebener Text}

b. Kapitelüberschriften

Neben der erwähnten Schriftart-Veränderung fällt bei den Kapitelüberschriften das Fehlen des Wortes “Kapitel” auf: Stattdessen wird die Kapitelnummer direkt vor die eigentliche Kapitelüberschrift gestellt, was der Kapitelüberschrift eine ähnliche Erscheinung wie die untergestellten Ebenen (section, subsection etc.) verschafft.

c. Kopf- und Fußzeilen

In den Standard-Dokumentklassen von LATEX richteten sich die Kopf- und Fußzeilen nach dem jeweiligen Kapitel. Dabei wurde die Kapitelüberschrift in Großbuchstaben in die jeweilige Kopfzeile übernommen. Die Seitenzahl erschien entweder zentriert in der Fußzeile (wenn es sich um die erste Seite des Kapitels handelte) oder rechtsbündig in der Kopfzeile.

Das KOMA-Script-Paket verändert diese Darstellung, um Lesbarkeit und Einheitlichkeit zu erhöhen. So wird der Kapiteltitel nun nicht mehr komplett in Großbuchstaben, sondern in Groß- und Kleinschreibung geschrieben. Des Weiteren wird die Seitenzahl nun stets zentriert in der Fußzeile angezeigt.

d. Satz

Der Satzspiegel, also der bedruckte Bereich der Seite, ist in Standard-LATEX an amerikanische Papierformate wie z. B. das Letter-Format angepasst und entspricht dementsprechend nicht den europäischen bzw. den DIN-Normen. Aus (insbesondere europäischer) typografischer Sicht hat jedoch ein optisch ansprechender Satzspiegel genau das gleiche Seitenverhältnis wie die Seite selbst (was z. B. bei einer ISO/DIN A4-Seite 1:√2 entspricht).

(i) Der Divisor

Um dieses Seitenverhältnis zu konstruieren, übernahm Markus Kohm ein recht einfaches Verfahren, das es erlaubt, beinahe beliebige Seitenränder mit einem einzigen Parameter – einem so genannten Divisor – zu beschreiben. Dieser Divisor (z. B. DIV=n) teilt die Seite horizontal und vertikal in n gleich große Teile. Dadurch ergeben sich für verschiedene Divisoren folgende Seitenaufteilungen:

 

Seiteneinteilung bei DIV=5 Seiteneinteilung bei DIV=6 Seiteneinteilung bei DIV=7
DIV=5 DIV=6 DIV=7

Die Breite eines der kleinen Rechtecke ist nun eine horizontale Längeneinheit (HLE) und die Höhe entsprechend eine vertikale Längeneinheit (VLE). Anhand dieser relativen Längeneinheiten können nun Seitenränder und Satzspiegel festgelegt werden:

 

Rand   Größe

innerer Rand   1 HLE
äußerer Rand   2 HLE
oberer Rand   1 VLE
unterer Rand   2 VLE

Nimmt man nun für das obere Beispiel an, dass es sich um linke Seiten handelt, ergibt sich folgender Satzspiegel, wobei es sich beim weißen Bereich um Seitenränder und beim dunkelgrauen Bereich um den tatsächlich zu bedruckenden Bereich (also den Satzspiegel) handelt:

 

Randeinteilung bei DIV=5 Randeinteilung bei DIV=6 Randeinteilung bei DIV=7
DIV=5 DIV=6 DIV=7

Bei steigendem Divisor verkleinern sich also die Seitenränder, ohne dass sich das Verhältnis bedruckter Bereich/gesamte Seite verändert.

(ii) Der Befehl \typearea

Mit dem Befehl \typearea kann in der Präambel der Divisor für das aktuelle Dokument festgelegt werden. Dabei gilt folgender Syntax:

 

\typearea{ Divisor}[Binderand ]

Dabei ist für den Divisor eine ganze Zahl größer als 3 anzugeben. Wahlweise kann auch ein Binderand (in den LATEX-üblichen Einheiten mm, pt etc.) angegeben werden, um die die eigentliche Seitenbreite verringert wird.Der Standardwert des Divisors richtet sich nach der eingestellten Standardschriftgröße:

 

Standardschriftgröße   Divisor

10pt   8
11pt 10
12pt 12

Gibt man also keinen Divisor an, haben KOMA-Script-Dokumente den Divisor 10.

3 Neuerungen

Bisher waren alle Befehle (bis auf den \typearea-Befehl) abwärtskompatibel, benötigten also nicht explizit das KOMA-Script. Im folgenden Abschnitt werden nun Befehle oder Befehlserweiterungen beschrieben, die nur mit den beschriebenen KOMA-Script-Dokumentklassen funktionieren.

a. Neue Titelseiten

Neben den LATEX-Befehlen (\title, \author, \and, \thanks und \date) gibt es im KOMA-Script-Paket eine Reihe weiterer Befehle, um die Titelseite an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen:

 

Befehl   Beschreibung   Seite

\subject   zusätzlicher Titel   Titelseite
\publishers Herausgeber/Verlag Titelseite
\titlehead Kopfzeile Titelseite
\extratitle Schmutztitel* vor der Titelseite
\uppertitleback Kopfzeile nach der Titelseite
\lowertitleback Fußzeile nach der Titelseite
\dedication Widmung nach der Titelseite

Sämtliche Befehle haben die gleiche, einfache Syntax (hier am Beispiel von \subject):

 

\subject{ Titel}

* Der Name “Schmutztitel” beschreibt die Funktion, die die Seite vor der Titelseite ursprünglich übernehmen sollte, nämlich letztere vor Verschmutzung zu schützen.

b. Begrenzungslinien

Neben den schon angesprochenen Layout-Veränderungen an den Kopf- und Fußzeilen ist es nun auch möglich zwischen die eigentliche Seite und die Kopf- bzw. Fußzeile Begrenzungslinien einzufügen. Dafür stehen die beiden Befehle headsepline und/oder footsepline zur Verfügung, die als Option der Dokumentklasse angegeben werden, also z. B.:

 

\documentclass[headsepline]{scrbook}

c. Einfache Absatzüberschriften

Sollte unter LATEX ein Abschnitt eine Überschrift bekommen, die nicht nummeriert und ins Inhaltsverzeichnis aufgenommen werden sollte, standen die Stern-Versionen der Gliederungsbefehle (\section*, \subsection*, etc.) zur Verfügung, die allerdings im Allgemeinen für einfache Absatzüberschriften nicht geeignet sind, da sie viel Platz zwischen Überschrift und Absatz lassen und so einer Untergliederung ähneln.

Im KOMA-Script-Paket hingegen existiert ein Befehl \minisec (für “mini section”), der in der Schrift Sans Serif Bold Extended eine Überschrift hinzufügt und in der nächsten Zeile direkt mit dem folgenden Abschnitt fortfährt. Der Syntax ist analog zu den erwähnten Gliederungsbefehlen:

 

\minisec{ Absatzüberschrift}

d. Definitions- und Aufzählungsumgebung

Ein weiterer Befehl des KOMA-Scriptes ist die labeling-Umgebung, die es ermöglicht, Definitions- oder Aufzählungsumgebungen zu erstellen, ohne auf in manchen Fällen zu unflexible Tabellen zurückzugreifen. Die Benutzung ist mit der itemize-Umgebung vergleichbar:

 

\begin{labeling}[Trennzeichen]{längstes Element}
\item[
Titel]Text

\item[
Titel]Text
\end{labeling}

Dabei kann als optionaler Parameter ein Trennzeichen (z. B. ein Doppelpunkt, Pfeile etc.) eingefügt werden. In jedem Fall muss jedoch das längste Element, das in der Umgebung als Titel vorkommt, angegeben werden, damit die Umgebung korrekt ausgerichtet werden kann.

e. Anpassung des Inhaltsverzeichnisses

Außerdem ist es möglich, bestimmte Verzeichnisse mit ins Inhaltsverzeichnis aufzunehmen. Dazu stehen folgende Befehle zur Verfügung:

 

Befehl   Beschreibung

liststotoc   Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
bibtotoc Literaturverzeichnis
bibtotocnumbered Literaturverzeichnis mit laufender Kapitelnummer
idxtotoc Index

Die jeweiligen Befehle werden als Option der Dokumentklasse angegeben, also z. B.:

 

\documentclass[liststotoc, bibtotoc]{scrbook}

4. Ausblick

…in die Zukunft

Seit der ersten Version des Script- bzw. KOMA-Script-Paketes sind inzwischen acht bis zehn Jahre vergangen. Da sich Markus Kohm sich selbst als “(wenn auch chaotischen) Perfektionist” beschreibt, gibt es bis heute in regelmäßigen, kurzen Abständen neue Versionen des Paketes, das immer mehr deutsche und europäische Typografieregeln berücksichtigt und dabei (fast) fehlerfrei ist.

…auf weitere Befehle

Neben den beschriebenen Befehlen und Optionen bietet das KOMA-Script-Paket selbstverständlich noch mehr Möglichkeiten, auf die ich jedoch im Rahmen meines halbstündigen Vortrages nicht eingehen konnte. Dies sind insbesondere:

  • Anpassung der Gliederungs-Nummerierung nach DIN-Regeln
  • Parameter des Abstract-Befehles
  • genauere Anpassung des Seitenlayouts (ungewöhnliche Seitenformate und -ränder)
  • Befehle zum Einfügen von Datum, Uhrzeit etc. in der jeweiligen Landessprache

Des Weiteren enthält das KOMA-Script-Paket eine Reihe von Funktionen, um komfortabel Briefe, Serienbriefe und Adressdatenbanken zu erstellen. Dies ist jedoch das Thema eines weiteren Referates des Proseminars Wissenschaftliches Publizieren mit LATEX.

Generell empfehle ich jedoch jedem, dem diese (kurze) Zusammenfassung nicht ausreicht, ein Blick in die offizielle Dokumentation des KOMA-Scriptes von Frank Neukam und Markus Kohm (siehe Literatur), die auch Grundlage für mein Vortrag und diese Ausarbeitung war.

5. Literatur